Justizanstalt Feldkirch

Wettbewerb 2007
- Anerkennung

Justizanstalt Feldkirch

Wettbewerb 2007
- Anerkennung

Erläuterungsbericht

Die Verfasser schlagen einen einheitlichen, kubischen Baukörper vor, der sich in exakter Weise auf die Kubatur des Bestandsgebäudes bezieht und dessen Raumkanten in Richtung Süd-Osten aufnimmt und weiterführt.
Zum Innenbereich der Anlage werden aus diesem Körper zwei begrünte Freiraum-Höfe ausgeschnitten, die einerseits der Belichtung der internen Erschließung dienen, andererseits den Dialog mit den bestehenden Höfen der bisherigen Anstalt suchen.
Im Gegensatz dazu formuliert der Neubau in Richtung Reichenfeld eine präzise Kante, die den Justizkomplex in deutlicher Geste abschließt und so zu einer als Gesamtanlage wahrgenommenen Struktur zusammenbindet.
Funktional gliedert sich der monolithische Baukörper in drei klar zonierte, voneinander strikt getrennte Bereiche, die sich nach dem Grade der notwendigen Sicherung vom Graf-Hugo-Wöhr-Gang in Richtung Süd-Westen reihen. So orientiert sich der Bereich des Halbgesperres zur Illseite.
Hier befinden sich die Verwaltung, die Freigängerabteilung und der öffentliche Teil des Besucherzentrums. Dieser Trakt ist von der restlichen Anstalt durch Schleusenanlagen getrennt und für Insassen nicht betretbar.
Der Haftraumtrakt hingegen befindet sich im südwestlichen Bereich des Grundstücks- mit mögichst großem Abstand zur publikumsintensiven Illsseite und starkem visuellem Bezug zum Landschaftsraum Reichenfeld. In diesem Trakt werden in der Regel zwei Abteilungen pro Geschoß angeordnet, was der Möglichkeit einer evtl. späteren Zusammenlegung entgegenkommt. Die Dienstzimmer sind jeweils in den Gebäudeecken situiert und bieten so Überblick über jeweils zwei Flurbereiche.
Alle Zellen dieses Traktes orientieren sich nach Außen; Aufenthalts- und Besprechungsräume zum grünen Innenhof.
Zwischen Halbgesperre und Haftraumtrakt situiert sich der Gebäudeteil für gemeinschaftliche Einrichtungen als Zentrum der Gesamtanlage. Er bildet das Bindeglied zwischen Alt- und Neubau und ist über eine Glasfuge an den Bestand angebunden. Dieser Teil nimmt vor allem Bereiche auf, die große Spannweiten erfordern und vermeidet durch deren Stapelung konstruktive Schwierigkeiten im Bereich der Tragstruktur. Alle Ebenen können über einen großzügigen Lastenaufzug versorgt werden.
Im Bestands-Trakt werden primär die U-Haft-Abteilungen untergebracht. Das Problem der akustischen Trennung der Geschosse wird durch Einfügen eines verglasten Lichthofes im Bereich der jetzigen Deckenöffnungen gelöst, was zu einer internen Belichtung der Gangbereiche führt und die Aufenthaltsqualität in diesem Bereich steigern wird.

In der Materialität setzt sich der Neubau deutlich vom denkmalgeschützten Bestandsgebäude ab.
Die Verfasser schlagen eine durchgehende Außenhaut aus engmaschigem Metallgewebe vor, das vor Verglasungen verschiebbar angebracht ist. Neben der Sonnenschutzfunktion entsteht die Möglichkeit, den Insassen trotz großzügiger Verglasung im Zellenbereich Schutz vor Einsicht von Außen (Passanten im Bereich Reichenfeld) zu gewährleisten. Stärker verglaste Bereiche, wie das Halbgesperre oder der Sportbereich werden ebenfals mit festen und verschiebbaren Gewebeelementen versehen, woduch ein einheitlicher Körper entsteht, der in seiner schwebenden Leichtigkeit einen bewußten Kontrast zum steinernen Bestandsbau darstellt.
Der Neubau ist in Stahlbetonkonstruktion (Teilfertigbauweise) konzipiert.
Die Innenwände und Decken werden verputzt und weiß gestrichen vorgeschlagen.
Als Bodenbelag ist Estrich mit einer evtl. farbigen Epoxidharzbeschichtung angedacht.