1. Preis beim Realisierungswettbewerb

Errichtung einer öffentlichen Bücherei in Regenstauf

1. Preis beim Realisierungswettbewerb

Errichtung einer öffentlichen Bücherei in Regenstauf

Leitidee | städtebauliche Einbindung

Der Neubau der Bücherei mit Verwaltungseinheiten für den Abwasserzweckverband wird - ebenso wie die mögliche Erweiterung des Rathauses - konsequent aus der vorhandenen städtebaulichen Situation entwickelt. Wir schlagen daher im Realisierungsteil einen zweigeschossigen Baukörper vor, der sich durch seine Setzung, Maßstab und Dachform sanft und behutsam in das Stadtbild einfügt. Dabei bildet der neue Stadtbaustein in Verbindung mit der umliegenden Bebauung wohlproportionierte, differenziert nutzbare Außenräume aus:

  • Der „Neue Marktplatz“ bildet den Freiraum-Auftakt im Süden und steht dabei in direkter Verbindung mit dem angrenzenden Rathausvorplatz. Bestandsbäume, Wasserflächen und Sitzgelegenheiten bieten einen attraktiven Rahmen für öffentliches Leben und laden – ebenso wie die Terrasse des Lesecafés - zum Verweilen und Kommunizieren ein. Gleichzeitig bietet der „Neue Marktplatz“ in Kombination mit dem Rathausplatz viel Raum für kulturelle Veranstaltungen und den Aufbau von verschiedensten Marktständen.
  • An der Nahtstelle zwischen Neubau und ehemaligem Klostergebäude, das an gleicher Stelle durch ein zweigeschossiges Gebäude für Betreutes Wohnen ersetzt werden soll, entwickelt sich der Marktplatz in den „Neuen Kirchplatz“, der sich zwischen Bücherei, Kirche und dem ehemaligen Klostergebäude aufspannt. Die Kirche erhält ihre ursprüngliche Adress- und Eingangssituation unterhalb des Kirchturms zurück und wird dadurch deutlich aufgewertet. Sitzstufen überbrücken den Höhenunterschied zwischen Kirche und Bücherei und laden auch hier zum längeren Verweilen ein.
  • Der nach Süden ausgerichtete Freiraum zwischen Kirche und Betreutem Wohnen soll zu einem Lesegarten mit Sitzelementen und Wasserflächen ausgebaut werden. Hier können sich im Sommer nicht nur die Besucher der Bücherei in ruhiger, ja fast „klösterlicher“ Atmosphäre zum Lesen und Studieren zurückziehen.
  • Nördlich des Neubaus bildet sich in Verbindung mit dem historischen Treppengiebelhaus ein kleiner, baumbestandener Vorplatz zum Eingang des Abwasserzweckverbands aus. Von hier aus wird der Blick über die „Neue Kirchgasse“ auf das Kirchenportal geöffnet.
  • Westlich des Neubaus wird der Straßenraum der Bahnhofstraße erweitert, sodass das neue Gebäude - seiner öffentlichen Bedeutung angemessen - zu einer maßvoll solitärhaften Wirkung gelangt. Durch das Abrücken wird der Blick auf den historischen Treppengiebel freigegeben

Baukörper | Innere Organisation

Die Büroräume des Abwasserzweckverbands werden zweigeschossig zur Bahnhofstraße organisiert, sodass sich das Gebäude in seiner in seiner Höhenentwicklung nahtlos in die umgebende Bebauung der Bahnhofstraße einfügt. Der große Medienraum der Bücherei wird in Richtung Kirchplatz ausgerichtet und mit einer großflächigen, bodentiefen Verglasung mit diesem räumlich verbunden. Durch die niedrigere Traufhöhe in diesem Bereich des Gebäudes wird die Blickbeziehung vom Rathausplatz zur Kirche hervorgehoben. Das Foyer mit Lesecafé bespielt mit seiner Ausrichtung zum Marktplatz den öffentlichen Raum und bietet die Möglichkeit, eine attraktive, süd-ausgerichtete Leseterrasse, zu etablieren. 

Architektursprache | Material | Technik

Konstruktive Einfachheit und Kosteneffizienz in Bau und Unterhalt ist ebenso Leitbild wie das harmonische Einfügen der baulichen Struktur in sein Umfeld. Aus diesem Grund schlagen wir eine Konstruktion aus einschaligem Ziegelmauerwerk mit durchgefärbtem Kratzputz auf der Außenseite vor. Durch die Kombination von Putz in einem warmen Beigeton mit farblich abgesetzten Faschen im Bereich der Fenster fügt sich die Gebäude sanft in sein Umfeld ein. Durch das Aufgreifen historisch bekannter Motive und Materialien soll die Gestaltung des neuen Gebäudes eine hohe Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung erzeugen, ohne dabei historisierend oder anbiedernd zu wirken.

Die kompakte Bauform ohne Fensteröffnungen nach Norden führt zu geringen Wärmebedarfswerten trotz einfacher Fassadenkonstruktion. Großflächigere Verglasungen nach Süden erzeugen solare Wärmeeinträge im Winter und können im Sommer mit einem außenliegenden textilen Sonnenschutz vor Überhitzung geschützt werden. Die Büroräume des Abwasserzweckverbandes können den notwendigen Luftwechsel über eine manuelle Fensterlüftung erfahren; im Bereich des Medienraums sorgt eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für konstante Raumluftkonditionen.

Gärten, Plätze und Gassen

Durch den Abbruch mehrere Gebäude sowie den Neubau des öffentlichen Bücherei- und Verwaltungsgebäudes ergibt sich für die Ortsmitte von Regenstauf die einmalige Chance einer echten Neuordnung und Programmierung ihrer zentralen Freiräume. Die städtebauliche Setzung des Neubaus schafft hierzu den baulichen Rahmen; zusammen mit der dargestellten Sanierung und Umnutzung des alten Klosters entsteht in der Abfolge von Platz- und -größtenteils öffentlichen- Gartenstrukturen ein echtes gesellschaftliches, soziales und kulturelles Zentrum.

Aufbauend auf den vorliegenden Untersuchungen sowie den ersten Umgestaltungen in den Bereichen Kirchenumfeld, Klostergasse und Bahnhofstraße wird mit dem neuen Rathaus-, Kirchen- und Bibliotheksumfeld eine gestalterisch intensiv verwobene und funktional zusammenhängende Raumfolge vorgeschlagen, die öffentliches Leben und vielfältige Nutzungen im (neuen) Herzen des Marktes ermöglicht und fördert.

Die vorgeschlagene Gestaltung der Freiräume versucht durch einen respektvollen und vorsichtigen Umgang mit dem umgebenden Gebäude- und Baumbestand Mehrwert und Synergien zu schaffen. Einzelne Ausstattungs- und Brunnenelemente sowie die sehr bewusst gesetzten Großbäume ergeben im Zusammenspiel mit den angedeuteten Gartenaufwertungen und Gassenbereichen ein hohes Maß an Gestalt- und Aufenthaltsqualität sowie räumlicher Atmosphäre.

Über ihre Materialität -insbesondere der verschiedenen Natursteinformate (Flossenbürger Granit)- klar zugeordnete Belagsflächen schaffen Orte sowohl fürs Alltägliche als auch das Besondere und versprechen so eine hohe Akzeptanz und Identifikation bei Bewohnern und Besuchern des Ortes.